schrecklich „schön“, beklemmend, traurig und von einem dichten, schweren Nebel umhüllt, der den Tod, die Vernichtung und das Verderben in sich trägt, in Form von nuklearen Niederschlag.
Es ist nicht nötig, die Sprache zu verstehen, um die tiefe Traurigkeit, den jähen Zorn und die abgrundtiefe Bitterkeit und Verzweiflung dieser Musik in jeder Faser zu spüren.
Als Gesamterlebnis zutiefst verstörend und desillusionierend und dennoch nicht ohne Hoffnung.
„Nuclear Sun“ steht für SCHMERZ –steht für den Versuch einer Annäherung an einen unsichtbaren und ungeheuerlichen menschgemachten Supergau.
Umso mehr man sich auf dieses Album und seine Aussage einlässt, umso mehr wird man Teil einer in seiner Gänze unbeschreiblichen Apocalypse.
Ein Geniestreich!
Ich habe mich Tschernobyl künstlerisch erstmals vor etwa vor 15 Jahren in dem nachfolgenden "Gedicht" anzunähern versucht und musste sofort daran denken, als ich dieses Album angehört habe.
Tschernobyl bolna
Sergej erzählt mir von „Guten, alten Zeiten“,
von „Früher“ und „Damals“.
Aus seinem Hals wuchert ein Tumor.
Er spricht von einer Frühlingsnacht
im April. Seine gequälte Stimme kippt.
Müde nippt er vom verstrahlten Tee.
„Es war warm gewesen - warm und lau“.
Er erinnere sich genau an den 26. April.
Sergej will und muss erwachsen sein.
Sein Gesicht bricht aus sich heraus.
Zehn war er gewesen und noch ein Kind.
Aber die Wolken und der Wind, die da zogen,
sie bogen Sergej über Nacht zum Mann.
Er trinkt eine Überdosis Becquerel.
„Es ging sehr schnell, viel zu schnell“,
erzählt er mir. „Wir waren dabei
und spannend sei es gewesen. “
Sergej träumt wieder einmal von damals,
als man noch Äpfel und Beeren pflückte,
sich fürs Räuberspiel in den Wald verdrückte.
Damals, als die Natur noch nicht schmutzig war.
Heute blühen Jod, Cäsium und Strontium
hier in den Wäldern und auf den Wiesen.
Asphalt und Fliesen hingegen
geben ihm ein Gefühl der Sicherheit.
Sergej hat faules Blut in sich.
Man sagt, es werde ihm bald sehr schlecht gehen.
Wer man ist, weiß Sergej nicht.
Seine Mutter leide an so etwas wie Radiophobie
und sein kleiner Bruder, der hätte noch nie
einen Baum berührt.
Sergej führt mich in sein kleines Zimmer
und zeigt mir stolz seine Langlaufski,
die er wohl nie mehr nutzen wird.
Müde fährt er sich durch sein stumpfes Haar
und wirft ein Büschel Braun zu Boden.
„Chemotherapie“, lacht er.
„Vielleicht kaufen wir später mal neue...“
Weiß nicht...“, meint er schließlich verlegen.
...eigentlich ist es doch sehr schön hier,
nur eben die Radioaktivität stört“
Ich schaue auf meine Uhr. Es ist sehr spät.
Viel zu spät für Sergej.
Beim Gehen drehe ich mich noch einmal um
und verstumme beim Anblick seines
strahlenden Lächelns.