rap hip hop underground political conscious
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Melodiöser, kritischer und zum Nachdenken anregender Rap aus der Schweiz. Mehr Infromationen: www.second-style.ch
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Nachtrag zum Song verblödig.fm
In meinem Song verblödig.fm aus dem Jahr 2008 benutzte ich im Refrain die Metapher „ein KZ für Träume“. Nach dem ich mich in letzter Zeit intensiver mit der Macht der Sprache und insbesondere der Wirkung von Rap-Texten auseinander gesetzt habe, ging ich dazu über, in Live-Auftritten diese Passage zu ersetzen.
Es war nie meine Absicht, den Holocaust zu verharmlosen oder die in KZs getöteten Menschen damit zu beleidigen. Vielmehr habe ich als Texter, der allgemein eine sehr bildhafte Sprache benutzt, hier zu einer sehr wenig reflektierten Wortwahl gegriffen und schlicht zu wenig nachgedacht, bevor ich diesen Song aufgenommen habe. Sollte sich dadurch jemand diffamiert fühlen, entschuldige ich mich hiermit in aller Form bei den Betroffenen, drücke ihnen meine aufrichtig empfundene Solidarität aus und versichere ihnen, dass mir nichts ferner liegt als die Absicht, Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus zu legitimieren. Es gibt wenig was bei mir so viel Abscheu hervorruft wie die Vorstellung des organisierten Massenmords an Millionen von Menschen und insofern handelte ich gegen meine eigene Überzeugung, als ich die heutige Gesellschaft mit dem Naziterror verglich.
Dass ich in Live-Auftritten nun die Metapher „ein Schlachthof für Träume“ benutze, soll bitte nicht dahingehend interpretiert werden, dass ich Schlachthöfe mit KZs gleichsetze. Vielmehr geht es mir darum, das im Lied beschriebene und gelegentlich empfundene Ohnmachtsgefühl in einem Wortbild auszudrücken.
Für meine Hörerinnen und Hörer aus Deutschland sei erklärend noch erwähnt, dass die Diskussionen wie sie in den letzten Jahren nicht zuletzt zwischen Antideutschen und AntiimerialistInnen geführt wurden, in der Schweiz wenig präsent sind. So bewegte ich mich vor, während und nach der Veröffentlichung meines Albums in fast ausschliesslich linken Kreisen. Der Song wurde von kritisch denkenden Leuten im Studio aufgenommen, abgemischt und in einem Video-Clip visuell umgesetzt. All diese Leute haben sich somit zwangsläufig auch mit dem Inhalt auseinander gesetzt. Bis zum heutigen Tag wurde er unzählige Male live gespielt, auf mehreren Soli-CDs wieder veröffentlicht und tausende Makle im Internet runter geladen, angehört oder als Video angesehen. Trotzdem wurde ich bislang in der Schweiz noch nie auf diese Textstelle angesprochen oder gar dafür kritisiert. Dies soll nicht dazu dienen mich herauszureden oder die Schuld auf andere zu schieben, sondern lediglich meine Unreflektiertheit in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu setzen.
Ich werde auch in Zukunft meine Texte nicht allzu stark filtern und bin mir bewusst, dass sich auch in anderen Songs von mir oder von Direct Raption noch die eine oder andere Stelle findet, die man kritisieren kann, darf und soll. Ich will aber auch Texte schreiben die zur Auseinandersetzung anregen, mal polarisieren oder undifferenziert sein dürfen und die man nicht einfach generell toll finden kann, wenn man links eingestellt ist. Zudem werde ich weiterhin starke und auch übertriebene Vergleiche und Metaphern benutzen, sowie mit Symbolen aus verschieden Kulturen, Subkulturen, Religionen und Medien spielen, da es nicht zuletzt genau dies ist, was mich am künstlerischen Umgang mit der Sprache reizt. Explizit wehre ich mich gegen jede Tendenz, die Songtexte im allgemeinen und insbesondere meine eigenen Texte wörtlich nimmt und Vergleiche eins-zu-eins ins nicht bildhaft gemeinte übertagen will.
Ich weiss aber auch darum, dass es hier auch Grenzen geben muss und merke, dass ich eine solche für mich persönlich eigentlich wichtige damals ungewollt überschritten habe. Ich habe seither jedoch dazu gelernt und werde künftig auch bezüglich latent antisemitischer Botschaften sensibler sein.
Oli Second, 2011
| Genre | Rap | ||||||||||||||
| Release | August 30, 2008 | ||||||||||||||
| Published | January 13, 2009 | ||||||||||||||
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