Wenn man der offiziellen Bandbiografie glauben will, begann alles bei einer Autofahrt zurück in die Vorstädte von Chicago. Damals hatten Drummer Kevin Hopkins und sein Freund Bob Pennisi (voc, perc) - damals beide noch in der Highschool - mit einem weiteren Freund in den diversen Cafés von Chicago aufzutreten. Dann schließlich mussten Bob und Kevin zum Studium nach Charleston ziehen. Nach einem Semester mit diversen verpassten Vorlesungen, vielen Parties und was sonst noch zum Studentenleben gehört, beschlossen sie auf besagter Autofahrt, eine Band zu gründen. Also rief man einen Gitarristen und einen Basser an die man kannte und begann mit Sessions in einem Keller. Irgendwann war man schließlich zu sechst.
Und wenn viele Menschen zusammen kommen, dann finden sich die verschiedensten Einflüsse, die in die Musik aufgenommen werden. Für Bad With Names stehen da neben den Red Hot Chili Peppers oder der Dave Matthews Band auch Led Zeppelin, Dream Theatre oder Steely Dan auf der Liste. Und das hört man durchaus in den Titeln ihres jetzt bei Jamendo veröffentlichten Albums "Don't Give Too Much Away": da ist die leichte Melancholie, die man aus Matthews besseren Zeiten kennt, da sind lange Gitarrenlinien, die sich nicht einfach in das Schema F des Rockgitarristen einsortieren lassen, da sind treibende Funkrhythmen. In der Mischung ergibt das eine äußerst tanzbare Rockmusik, der man ruhig mal zwei Ohren widmen sollte. Ich bin gespannt, wie die Geschichte der Band weiter geht.
Country Blues mit Banjo ist wirklich selten geworden, auch wenn Stars wie Otis Taylor was zur Rettung des Instruments taten. Aus Schottland kommt passen dazu ein schön altmodisches Bluesalbum von Johnny Hoodoo.
Ein wenig kommt man sich in die 30er Jahre zurückversetzt vor, wenn man "Country Blues" von Johnny Hoodoo anhört: Ein Mann, sein Banjo oder seine Gitarre und die alten Geschichten, die erzählt werden vom Unterwegssein, von den untreuen Frauen, ... Blues ganz im Stile von Blind Blake oder Reverend Gary Davis, also im klassischen Piedmont-Style der amerikanischen Ostküste wird einem geboten. Ab und zu kommen auch noch Gospelwurzeln und der harte Rockabilly zum Vorschein. Alles sehr gut - und durchaus meisterlich gespielt. Dabei kommt Johnny Hoodoo aus Schottland. Doch mittlerweile muss man ja nicht mehr generationenlanges Baumwollpflücken im Blut haben, um authentischen Country-Blues zu spielen.
Ich kann dieses Album nur wärmstens empfehlen.
Die Besetzung ist nicht spektakulär: Ein klassisches Trio. Völlig ausreichend für Bluesrock. Doch dann diese Stimme die ist wirklich außerordentlich. One, das Debüt der französischen Band, ist eine echte Empfehlung.
Frauenstimmen gibts im Bluesrock nicht so viele, an die man sich immer wieder erinnert. Die meisten verblassen irgendwann spätestens dann, wenn man mal wieder Janis Joplin angehört hat. Diese Energie, diese Seele in jeder Note... ich gebs zu, für mich ist es da schwer, anderen überhaupt eine Chance einzuräumen.
Und dann passiert mir das: Ein Album startet. Und da ist eine Frau, die sich völlig in ihre Lieder reinkniet, die nicht davor zurückschreckt, hässlich oder rauh zu klingen. Nath heißt die Sängerin der französischen Band Black Sunday, die im Sommer mit Black Sunday One ihr Debüt und im November gleich noch ein Live-Album bei Jamendo veröffentlicht haben. Und diese Band ist im Bereich des Bluesrock für mich eine wirklich echte Entdeckung. Denn hier wird nicht nach Geschwindigkeitsrekorden auf der Gitarre und möglichst heftigem Riffgewitter gestrebt. Statt dessen atmet die Musik des Trios den Geist der Hippie-Zeit: Anklänge an Janis, musikalisch aber manchmal noch mehr an Jefferson Airplane aber auch an die Doors kann man hören. Songs können gerne mal an die sieben Minuten dauern und sind doch spannend bis zum Schluss. Nur schade, dass ich jetzt keinen Whisky zur Hand habe und es dafür außerdem noch zu zeitig ist. Der würde wirklich dazu passen.
Rockmusik aus Russland findet nicht so häufig den Weg in meine Ohren. Das könnte sich in Zeiten des Internet ja eigentlich verbessern, da sie Erreichbarkeit verbessert ist. Doch es bleibt die Trägheit des satten Deutschen: Was soll ich von dort eigentlich erwarten? Stehen doch die paar wenigen russischen Platten meiner Sammlung seit Jahren ungehört herum. Und außerdem: bei Chansons wie denen von Okudschawa oder anderen, kann sich die russische Seele doch eh besser austoben.
Und so war es zuerst auch das Cover, was mich zu der Platte mit dem wahrscheinlich falsch übersetzten Titel Möglicherweise glücklicher Swing (ich bin für Vorschläge dankbar - mein Russisch ist völlig eingerostet: Псы Вертинского heißt die Band, Счастливые возможности качелей die Platte) greifen ließ - ich bin nun mal ein Fan von Mucha und ähnlichen Jugendstilkünstlern...
Die Musik allerdings passt so gar nicht dazu (auch nicht zu dem Swing...): einfach gestrickte Rockmusik, sehr professionell gespielt und angenehm zu hören. Das könnte auch aus jeder anderen Ecke der Welt stammen, wenn nicht die Sprache wäre. Nur manchmal bricht sich die Schwermut einen Weg, die wir so gern mit der russischen Seele verknüpfen, etwa in dem wunderschönen Walzer 5th Avenue zu Beginn des Albums oder in dem melancholischen В гитарном шумe.
Schade, dass die Band ihr Profil bei Jamendo noch nicht um Informationen oder Webseiten angereichert hat. Das wäre wichtig für mich, um ein wenig näher zu verstehen, worum es der Band mit ihrer Musik geht.
Miles Davis, John Coltrane, James Brown & the JB's und Otis Redding, aber auch Neil Young, Radiohead oder The Kinks nennen Fool Dadaz Fire, wenn sie nach ihren Vorbildern gefragt werden. So umfangreich ist die Liste, dass sie garantiert hundertprozentig stimmig sein wird, wenn man nur lange genug hinhört. Aber wirklich aussagekräftig ist sie natürlich nicht.
Denn wenn man das 2006 bei Jamendo veröffentlichte Album Mais 69? unbeeinflusst hört, dann kann man erst mal ne Weile nichts sagen. Dann hört man, und hört wieder und lässt sich erst mal von der einschmeichelnden Stimme von Jean Christoph gefangen nehmen. Soul also, Soul mit Jazz-Rhythmen, einer gehörigen Dosis Swing, der ab und zu durch funkige Attacken aufgebrochen wird. Und dazu passend dann das nervöse Saxophon. Doch gleichzeitig - Chansons! Das ist Frankreich! Warum gab's eigentlich keinen Französischlehrer an unserer Schule? Zu sehr würde mich interessieren, wovon da gesungen wird.
Doch das Zucken in den Beinen, das immer heftiger werdende Mitwippen, das dämliche Grinsen im Gesicht lassen sich nicht mehr kontrollieren. Das ist einfach nur hinreißende Musik. Nennen wir es einfach Dancefloor-Jazz. Bloß um eine Schublade zu finden, wo sie nicht neben Depeche Mode auftauchen müssen. Denn dass hat diese Musik nicht verdient.
Manchmal frage ich mich, warum gerade in Spanien so eine vielfältige Musikszene im Bereich der freien Musik existiert. Da findet sich vom klassischen Folk über jede Menge Ska und Rock alles bis hin zum Blues und Swing, während es in Deutschland vorwiegend dem Punklager oder der Elektronik zugeneigte Musiker sind, die sich außerhalb der gängigen Vermarktungsmechanismen stellen.
Nehmen wir etwa die 2008 gegründeten Falsa Monea aus Madrid. Sie bezeichnen sich etwas großspurig als "Rage against the Machine des Rhumba". Doch was sie auf ihrer Debüt-EP Maqueta präsentieren, ist eine mitreißende Mischung aller möglicher Musikstile zwischen Ska, Funk und Flamenco, die vom ersten Takt an mitreißt. Hier wird Ska (die Hauptzutat der Mixtur - man höre nur Pa Jamaica!) nicht nach Schema F mit politisch engagierten Texten herunter gerockt, sondern mit jeder Menge spanischen Einflüssen veredelt. Das hebt die Truppe deutlich aus den sonstigen Veröffentlichungen dieses Genres heraus und lässt drauf hoffen, dass in den nächsten Jahren noch mehr Veröffentlichungen in derartiger Qualität und Spielfreude kommen werden.
Das Piano ist leicht bedrunken, die Sängerin angenehm verrucht, ohne aufdringlich zu sein. Das Ganze ergibt eine swingende Mischung, die so retro ist, dass auch das Cover von Velvet Dress & Stockings von Dazie Mae nicht deplaziert ist.
Wenn eine Band sich nach einem Song von John Lee Hooker benennt, dann erwartet man eigentlich Blues. Doch Dazie Mae aus Paris haben für sich noch eine andere Bedeutung ihres Namens herausgefunden. Swing-/Jazzband um Sängerin Jeanne arbeitet mit ihren Liedern daran, eine musikalische Biografie von Dazie Mae aus den Comics über Lil Abner zu schreiben. Damit ist die Musik auf die Zeit der 40er/50er Jahre fixiert - und darauf, eine femme fatale der klassischen Art zu porträtieren. (Zur Erläuterung für diejenigen, die die von Al Capp geschaffenen Comics nicht kennen: Lil Abner ist ein eher einfach gestrickter Mann aus einer amerikanischen Kleinstadt. Und Dazie Mae ist die starke Frau, die jahrelang vergeblich in ihn verliebt war - bevor die beiden schließlich doch eine Familie gründeten. Die Strips erschienen zwischen 1934 und 1977).
Velvet Dress & Stockings ist nach einem im letzten Jahr erschienenen Demoalbum das erste Kapitel dieser Comicoper (nein, nicht wirklich eine Oper, sondern eher eine lose Songfolge). Da finden sich melancholisch swingende Trinklieder (Drink Beer (Till The Day That I Die) ebenso wie Betrachtungen darüber, wie notwendig es ist, die Herzen der Männer zu brechen oder Lieder zum Preise des Ehemanns (Miss she Spends). Musikalisch bewegen sich die Lieder zwischen Swing, Barblues, Jazz und ein wenig Bossanova.
Die eigentliche Quartettbesetzung der Band wurde für das Album zeitweise noch mit Bläsern und Schlagzeug erweitert. Ein so angenehmes Retro-Album gabs dieses Jahr (ok, sehen wir von Lost at Sea von den Squirrel Nut Zippers ab) noch nicht.
Sich eine eigene Musikschublade schaffen, ist manchmal die beste Lösung. Zumindest für Gattaka ist das die einzige Lösung, um sie irgendwo einsortieren zu können. Auf Plakaten kündigen sie daher Chansons acoutipunkofestives an. Was eigentlich alles und nichts sagt. Dieser französischen Band sollte man sich daher nur über das Anhören ihres mitreißenden Debüts Tout Arrive... annähern. Darauf findet sich eine bunte Mixtur aus Chansons mit Rockrhythmen oder Balkanbläsern, punkige Melancholie, oder russische Schwermut. All das wird mit wilder Leidenschaft präsentiert, die das Toben des Publikums bei den Live-Videos im Netz verstehen lässt.
Das Akkordeon klingt fast wie in den Sümpfen Louisianas. Europäische Hörer werden vielleicht Anklänge an Polkas hören. Doch die Rhythmen sind eindeutig südamerikanisch. Was die Grupo bom DBaile spielt, ist die Folklore der Gauchos im Süden Brasiliens. Geprägt wird die Musik vom Akkordeon und sie verarbeitet Einflüsse aus Argentinien, Uruguay und Paraguay ebenso wie von den Indianern in Jesuitenreduktionen. Die Mischung ist äußerst tanzbar - und geht sofort ins Herz und die Beine.
Nicht schlecht zu hören das Album - bloß leider ist es geschütztes Material und hat auf Jamendo nix verloren...