Fundstücke ist eine eher lockere Sammlung von minimalistischen, mit Hilfe von Computern ausgeführten und düster-traurigen Stücken. Hier werden nicht ganz so viele (aber doch einige) Samples von Geräuschen aller Art verarbeitet. Die Klänge sind im Allgemeinen tonaler und das Klangbild harmonischer als in meinen früher veröffentlichten Alben, auch gibt es mehr "typische" synthetische Klänge. Das hält mich aber nicht davon ab, gelegentlich auch etwas Lärm zu machen.
Ein paar Worte zu den einzelnen Stücken:
- Märzwinter entstand im März des vergangenen Jahres. Es war meine klangliche Reaktion auf einen sehr in den Frühling verschobenen Winter.
- Dark Matter ist beim Experimentieren mit einigen recht hochwertigen Samples eines Konzertflügels entstanden. Das Stück ist viel zu gut geworden, als dass ich es wegwerfen wollte. Wenn bei meinen Experimenten immer so etwas schönes herauskäme, würde ich nur noch experimentieren.
- Januarimpression im Regen: Nieselregen im dunklen Januar, ein meteorologischer Suizidimpuls.
- Linie Eins: Ideen, die mir bei einer Straßenbahnfahrt mit der Linie 1 in Hannover kamen, als ich die entmenschte und wandkalte Ar(s)chitektur Laatzens im Vorbeifahren würdigte. Es ist kein Zufall, dass man im Deutschen "Wohn-Haft" sagt.
- Konkrete Poesie ist eigentlich für ein Video der dritten Whitedarkness entstanden. Das Video ist auch in bescheidener Qualität bei YouTube verfügbar.
- Emptyness entstand in mir, als ich die Beschriftung zweier Knöpfe an einem Monitor wahrnahm. Sie waren mit den Worten "Enter" und "Exit" beschriftet, und das schien mir eine gute Zusammenfassung des Lebens zu sein.
- Beleuchtung für einen Blinden ist die Vertonung eines kurzen Gedichtes von mir mit kalten, teils brachialen mechanischen Geräuschen.
- Sobald es blutet unterlegt Gesprächsfetzen über selbstverletzendes Verhalten mit brachialen Klängen.
- Schwerhörigkeit spiegelt eine Predigt von Papst Benedikt XVI wider. "Es gibt eine Schwerhörigkeit Gott gegenüber..."
- Coredump ist das älteste Stück dieses Albums. Es entstand im Jahr 2001 als eine flüchtige Notiz auf einem Amiga in einer sehr trüben Phase meines Lebens. Es ist sehr wenig überarbeitet und trägt immer noch diesen flüchtigen Charakter. Auch dieses Stück wurde bei der dritten Whitedarkness vorgestellt, und es kam für mich überraschend sehr gut bei den Besuchern und anderen Künstlern an.
- Horror Vacui, der Schrecken vor dem Nichts.
- Ostersamstag, der Tag zwischen dem Fest der staatlich-religiös "legalisierten" Ermordung Jesu und dem Fest seiner Auferstehung. Ein passender Tag für jemanden wie mich, dessen gespensthaftes Sein dem Tod näher ist als dem Leben.
Das Bild im Cover des Albums wurde von
Frank Eckert photographiert. (Frank besteht auf diese inzwischen altertümliche "ph"-Schreibweise.) Dieses Motiv, ein großer Haken, fand sich auf dem verwaisten Werksgelände von Continental in Hannover-Limmer.