greifswald ( MV ) - Allemagne
Site web : http://www.wasser-prawda.de
Date d'inscription : 15 juillet 2009
Was tun gegen den düsteren Herbstabend? Richtig - tanzen wäre nicht schlecht. Die passende Musik dazu liefern La Olla Express mit ihrem Album Panic, einer quietschbunten Fusion aus Ska, Punk, Reggae und spanischem Lärm.
Irgendwann muss ich wohl doch mal nach Spanien fahren. Denn ein großer Teil der Musik, die ich in den letzten Wochen wirklich gut fand, ist dort entstanden. Haben die Bands dort einfach mehr Sonne, um positive Gefühle zu vermitteln? Oder liegt's doch am Olivenöl?
Ein schönes Album aus dem Bereich der Punk-Ska-Fusion lieferten La Olla Express bereits Ende August bei jamendo ab. Irgendwie war es mir aber bislang durch die Lappen gegangen. Aber das ist ein Vorteil. Denn bei dem dunklen Abend mit Nieselregen und kalten Füßen sind Lieder wie 1000 Sonidos oder 3:00 AM der richtige Anreiz um mindestens im Stuhl in rhythmische Bewegung zu geraten. Obwohl natürlich ein zünftiger Tanzabend noch besser wäre.
Neben The Clash (eigentlich obligatorisch!) haben die Damen und Herren des La Olla Express übrigens auch The Blues Brothers unter ihre Vorbilder aufgenommen. Das ist eine ganz schöne Hürde - doch wenn man Jake & Elwood als Vertreter der ultimativen Partymusik begreift (das meint: musikalisch höchstes Niveau bei größtmöglichem Spaßfaktor), dann kann dem selbst ein Nörgler was abgewinnen. Und mit der Einstellung sollte ihnen auch das nächste Ziel gelingen, was da lautet, Europa zu erobern. Viel Spaß dabei!
Wie kann man aus Gedichten Lieder machen? Vor allem wenn es sich um moderne Lyrik handelt? Die russische Komponistin Victoria Sergeenko präsentiert auf Poetry Parade einen Mix zwischen Folk, Kunstlied und Jazz.
Der Beginn der Poetry Parade erinnert ein wenig an eine Mischung aus Folk und Jazz. Birthday (leider ist bei dem Album nicht verzeichnet, von wem die Texte stammen) verbreitet eine fröhliche Stimmung, einen Optimismus, der von Text und Musik getragen wird. Wobei der Zusammenklang von Text und Musik überhaupt das beste Argument für das Album der 1974 in Petrosavodsk geborenen Komponistin Victoria Sergeenko ist. Wo es die Texte verlangen, wird radikal vom eingängigen Strophenschema der Popmusik Abschied genommen. Und Themen bleiben nur so lange hörbar, wie es die Gedichte verlangen.
Höhepunkt des Albums ist für mich das traumhafte "Dreamer" was mich vom Text - ich weiß nicht wieso - ein wenig an Stücke von Leonard Cohen erinnert. Aber dabei strahlt das Lied eine Wärme und Liebe aus, die bei Cohen eher in Melancholie verpackt wäre und nicht in strahlende Stimme und dezente Glockenspiele.
Das bei Jamendo veröffentlichte Album kann wahrscheinlich nur einen kleinen Aspekt der Kompositionen Segeenkos aufzeigen. Immerhin hat sie in den letzten Jahren nicht nur dem Jazz nahestehende Kompositionen veröffentlicht sondern auch Werke für große und kleine Orchester, Chöre, Soloklavier und elektronische Instrumente veröffentlicht. Ihr Stil vereint dabei die klassische russische Musiktradition mit Elementen der Moderne ebenso wie mit der Folklore Kareliens.
Eigentlich hatte ich in diesem Jahr nach Fitz & The Tantrums keine traurigen Liebeslieder mehr hören wollen. Doch genau mit solchen beginnt "The Next Level" von Lejo Harmeson. Das Album, 2005 als CD veröffentlicht, wurde im November 2009 teilweise bei Jamendo unter freie Lizenz gestellt.
Manchmal wünschte ich mir, ich könnte Liebeslieder schreiben. Doch zum Glück für die Welt sind derartige Versuche nie über pubertäre Gedichte herausgekommen, die mittlerweile wohl sämtlich vernichtet wurden. Aber wenn Bands wie Fitz & The Tantrums ihren ganzen Schmerz in Texte packen können, die noch dazu großartige Lieder ergeben, dann bin ich anfällig dafür. Aber man kann leicht genug bekommen von all dem Schmalz.
So war ich auch erst mal genervt, als die ersten zwei Lieder von Lejo Harmesons Album The Next Level auf dem traurigen Beziehungschaos beruhten. Und das ganze gehörig getragen und vorgetragen mit Gitarre oder Klavier. Doch dann hörte ich genauer hin - der Opener hat es textlich faustdick! Da ist keine Schicksalsergebenheit, kein trauriges Abschiednehmen. Nein: hier verspricht einer, der Frau einen absolut unfairen Kampf zu liefern. Und bringt als Entschuldigung an, dass er sie zu sehr liebe. So richtig packte mich das Album dann aber erst bei I Think I Love Tattoos. Das Stück mit seinem seltsamen Fetischbekenntnis rockt erstmals richtig los und erinnert an alte Surfklassiker.
Insgesamt ist "The Next Level" ein äußerst gut produziertes Album, das mit seiner doch immer wieder durchscheinenden Melancholie hervorragend zu den dunklen Spätherbstabenden passt. Auf der Seite von Lejo Harmeson kann man die bei Jamendo fehlenden zwei Titel auch noch anhören.
Wenn man der offiziellen Bandbiografie glauben will, begann alles bei einer Autofahrt zurück in die Vorstädte von Chicago. Damals hatten Drummer Kevin Hopkins und sein Freund Bob Pennisi (voc, perc) - damals beide noch in der Highschool - mit einem weiteren Freund in den diversen Cafés von Chicago aufzutreten. Dann schließlich mussten Bob und Kevin zum Studium nach Charleston ziehen. Nach einem Semester mit diversen verpassten Vorlesungen, vielen Parties und was sonst noch zum Studentenleben gehört, beschlossen sie auf besagter Autofahrt, eine Band zu gründen. Also rief man einen Gitarristen und einen Basser an die man kannte und begann mit Sessions in einem Keller. Irgendwann war man schließlich zu sechst.
Und wenn viele Menschen zusammen kommen, dann finden sich die verschiedensten Einflüsse, die in die Musik aufgenommen werden. Für Bad With Names stehen da neben den Red Hot Chili Peppers oder der Dave Matthews Band auch Led Zeppelin, Dream Theatre oder Steely Dan auf der Liste. Und das hört man durchaus in den Titeln ihres jetzt bei Jamendo veröffentlichten Albums "Don't Give Too Much Away": da ist die leichte Melancholie, die man aus Matthews besseren Zeiten kennt, da sind lange Gitarrenlinien, die sich nicht einfach in das Schema F des Rockgitarristen einsortieren lassen, da sind treibende Funkrhythmen. In der Mischung ergibt das eine äußerst tanzbare Rockmusik, der man ruhig mal zwei Ohren widmen sollte. Ich bin gespannt, wie die Geschichte der Band weiter geht.
Country Blues mit Banjo ist wirklich selten geworden, auch wenn Stars wie Otis Taylor was zur Rettung des Instruments taten. Aus Schottland kommt passen dazu ein schön altmodisches Bluesalbum von Johnny Hoodoo.
Ein wenig kommt man sich in die 30er Jahre zurückversetzt vor, wenn man "Country Blues" von Johnny Hoodoo anhört: Ein Mann, sein Banjo oder seine Gitarre und die alten Geschichten, die erzählt werden vom Unterwegssein, von den untreuen Frauen, ... Blues ganz im Stile von Blind Blake oder Reverend Gary Davis, also im klassischen Piedmont-Style der amerikanischen Ostküste wird einem geboten. Ab und zu kommen auch noch Gospelwurzeln und der harte Rockabilly zum Vorschein. Alles sehr gut - und durchaus meisterlich gespielt. Dabei kommt Johnny Hoodoo aus Schottland. Doch mittlerweile muss man ja nicht mehr generationenlanges Baumwollpflücken im Blut haben, um authentischen Country-Blues zu spielen.
Ich kann dieses Album nur wärmstens empfehlen.
Die Besetzung ist nicht spektakulär: Ein klassisches Trio. Völlig ausreichend für Bluesrock. Doch dann diese Stimme die ist wirklich außerordentlich. One, das Debüt der französischen Band, ist eine echte Empfehlung.
Frauenstimmen gibts im Bluesrock nicht so viele, an die man sich immer wieder erinnert. Die meisten verblassen irgendwann spätestens dann, wenn man mal wieder Janis Joplin angehört hat. Diese Energie, diese Seele in jeder Note... ich gebs zu, für mich ist es da schwer, anderen überhaupt eine Chance einzuräumen.
Und dann passiert mir das: Ein Album startet. Und da ist eine Frau, die sich völlig in ihre Lieder reinkniet, die nicht davor zurückschreckt, hässlich oder rauh zu klingen. Nath heißt die Sängerin der französischen Band Black Sunday, die im Sommer mit Black Sunday One ihr Debüt und im November gleich noch ein Live-Album bei Jamendo veröffentlicht haben. Und diese Band ist im Bereich des Bluesrock für mich eine wirklich echte Entdeckung. Denn hier wird nicht nach Geschwindigkeitsrekorden auf der Gitarre und möglichst heftigem Riffgewitter gestrebt. Statt dessen atmet die Musik des Trios den Geist der Hippie-Zeit: Anklänge an Janis, musikalisch aber manchmal noch mehr an Jefferson Airplane aber auch an die Doors kann man hören. Songs können gerne mal an die sieben Minuten dauern und sind doch spannend bis zum Schluss. Nur schade, dass ich jetzt keinen Whisky zur Hand habe und es dafür außerdem noch zu zeitig ist. Der würde wirklich dazu passen.
Rockmusik aus Russland findet nicht so häufig den Weg in meine Ohren. Das könnte sich in Zeiten des Internet ja eigentlich verbessern, da sie Erreichbarkeit verbessert ist. Doch es bleibt die Trägheit des satten Deutschen: Was soll ich von dort eigentlich erwarten? Stehen doch die paar wenigen russischen Platten meiner Sammlung seit Jahren ungehört herum. Und außerdem: bei Chansons wie denen von Okudschawa oder anderen, kann sich die russische Seele doch eh besser austoben.
Und so war es zuerst auch das Cover, was mich zu der Platte mit dem wahrscheinlich falsch übersetzten Titel Möglicherweise glücklicher Swing (ich bin für Vorschläge dankbar - mein Russisch ist völlig eingerostet: Псы Вертинского heißt die Band, Счастливые возможности качелей die Platte) greifen ließ - ich bin nun mal ein Fan von Mucha und ähnlichen Jugendstilkünstlern...
Die Musik allerdings passt so gar nicht dazu (auch nicht zu dem Swing...): einfach gestrickte Rockmusik, sehr professionell gespielt und angenehm zu hören. Das könnte auch aus jeder anderen Ecke der Welt stammen, wenn nicht die Sprache wäre. Nur manchmal bricht sich die Schwermut einen Weg, die wir so gern mit der russischen Seele verknüpfen, etwa in dem wunderschönen Walzer 5th Avenue zu Beginn des Albums oder in dem melancholischen В гитарном шумe.
Schade, dass die Band ihr Profil bei Jamendo noch nicht um Informationen oder Webseiten angereichert hat. Das wäre wichtig für mich, um ein wenig näher zu verstehen, worum es der Band mit ihrer Musik geht.
Miles Davis, John Coltrane, James Brown & the JB's und Otis Redding, aber auch Neil Young, Radiohead oder The Kinks nennen Fool Dadaz Fire, wenn sie nach ihren Vorbildern gefragt werden. So umfangreich ist die Liste, dass sie garantiert hundertprozentig stimmig sein wird, wenn man nur lange genug hinhört. Aber wirklich aussagekräftig ist sie natürlich nicht.
Denn wenn man das 2006 bei Jamendo veröffentlichte Album Mais 69? unbeeinflusst hört, dann kann man erst mal ne Weile nichts sagen. Dann hört man, und hört wieder und lässt sich erst mal von der einschmeichelnden Stimme von Jean Christoph gefangen nehmen. Soul also, Soul mit Jazz-Rhythmen, einer gehörigen Dosis Swing, der ab und zu durch funkige Attacken aufgebrochen wird. Und dazu passend dann das nervöse Saxophon. Doch gleichzeitig - Chansons! Das ist Frankreich! Warum gab's eigentlich keinen Französischlehrer an unserer Schule? Zu sehr würde mich interessieren, wovon da gesungen wird.
Doch das Zucken in den Beinen, das immer heftiger werdende Mitwippen, das dämliche Grinsen im Gesicht lassen sich nicht mehr kontrollieren. Das ist einfach nur hinreißende Musik. Nennen wir es einfach Dancefloor-Jazz. Bloß um eine Schublade zu finden, wo sie nicht neben Depeche Mode auftauchen müssen. Denn dass hat diese Musik nicht verdient.
Manchmal frage ich mich, warum gerade in Spanien so eine vielfältige Musikszene im Bereich der freien Musik existiert. Da findet sich vom klassischen Folk über jede Menge Ska und Rock alles bis hin zum Blues und Swing, während es in Deutschland vorwiegend dem Punklager oder der Elektronik zugeneigte Musiker sind, die sich außerhalb der gängigen Vermarktungsmechanismen stellen.
Nehmen wir etwa die 2008 gegründeten Falsa Monea aus Madrid. Sie bezeichnen sich etwas großspurig als "Rage against the Machine des Rhumba". Doch was sie auf ihrer Debüt-EP Maqueta präsentieren, ist eine mitreißende Mischung aller möglicher Musikstile zwischen Ska, Funk und Flamenco, die vom ersten Takt an mitreißt. Hier wird Ska (die Hauptzutat der Mixtur - man höre nur Pa Jamaica!) nicht nach Schema F mit politisch engagierten Texten herunter gerockt, sondern mit jeder Menge spanischen Einflüssen veredelt. Das hebt die Truppe deutlich aus den sonstigen Veröffentlichungen dieses Genres heraus und lässt drauf hoffen, dass in den nächsten Jahren noch mehr Veröffentlichungen in derartiger Qualität und Spielfreude kommen werden.
Das Piano ist leicht bedrunken, die Sängerin angenehm verrucht, ohne aufdringlich zu sein. Das Ganze ergibt eine swingende Mischung, die so retro ist, dass auch das Cover von Velvet Dress & Stockings von Dazie Mae nicht deplaziert ist.
Wenn eine Band sich nach einem Song von John Lee Hooker benennt, dann erwartet man eigentlich Blues. Doch Dazie Mae aus Paris haben für sich noch eine andere Bedeutung ihres Namens herausgefunden. Swing-/Jazzband um Sängerin Jeanne arbeitet mit ihren Liedern daran, eine musikalische Biografie von Dazie Mae aus den Comics über Lil Abner zu schreiben. Damit ist die Musik auf die Zeit der 40er/50er Jahre fixiert - und darauf, eine femme fatale der klassischen Art zu porträtieren. (Zur Erläuterung für diejenigen, die die von Al Capp geschaffenen Comics nicht kennen: Lil Abner ist ein eher einfach gestrickter Mann aus einer amerikanischen Kleinstadt. Und Dazie Mae ist die starke Frau, die jahrelang vergeblich in ihn verliebt war - bevor die beiden schließlich doch eine Familie gründeten. Die Strips erschienen zwischen 1934 und 1977).
Velvet Dress & Stockings ist nach einem im letzten Jahr erschienenen Demoalbum das erste Kapitel dieser Comicoper (nein, nicht wirklich eine Oper, sondern eher eine lose Songfolge). Da finden sich melancholisch swingende Trinklieder (Drink Beer (Till The Day That I Die) ebenso wie Betrachtungen darüber, wie notwendig es ist, die Herzen der Männer zu brechen oder Lieder zum Preise des Ehemanns (Miss she Spends). Musikalisch bewegen sich die Lieder zwischen Swing, Barblues, Jazz und ein wenig Bossanova.
Die eigentliche Quartettbesetzung der Band wurde für das Album zeitweise noch mit Bläsern und Schlagzeug erweitert. Ein so angenehmes Retro-Album gabs dieses Jahr (ok, sehen wir von Lost at Sea von den Squirrel Nut Zippers ab) noch nicht.